5 Vinatzer Extremrouten
an einem Tag

Eine Gewalttour zwei grosser Dolomiteskletterer

Am 30. Juli 2001 um 5.10 Uhr morgens steigen Adam Holzknecht und Diego Zanesco in die berüchtigte Vinatzer Route an der Marmolada Südwand ein. Adam Holzknecht ist Mountain Guides aus St.Ulrich und Leiter des BRD Catores Val Gardena, der Mountain Guides Diego Zanesco stammt aus Brixen und betreibt in St. Kassian im Gadertal eine Alpinschule. Diese 800 Meter hohe Felswand verlangt ausserordentliches Kletterkönnen, sind doch die glatten Marmolada Platten sehr schwer abzusichern. Den Ausstieg der Führe bewältigen die beiden über die schwierige Messnerführe und bereits um 7.45 Uhr stehen Adam und Diego am Gipfel der Marmolada di Rocca. Man bedenke, dass normalerweise eine gut trainierte Seilschaft dazu einen ganzen Tag benötigt und bestens vorankommen muss um noch die letzte Talfahrt der Marmolada Seilbahn zu schaffen; in diesem Falle sind unsere beiden Kletterer bereits am Gipfel ehe die Bahn am Morgen ihren Betrieb aufnimmt.
Vom Gipfel geht es weiter mit einer Bockrodel über den Marmoladagletscher in Richtung Fedaiapass, wo Adam am Vortag sein Motorrad abgestellt hat..
Um 9.45 Uhr befinden sich die beiden Extremkletterer bereits an der Talstation der Secedaseilbahn in Ortisei. Oben angelangt steht nun der lange Fussweg bis zum Einstieg der Furchetta Nordwand an. Von dort bis zur Dülferkanzel geht es seilfrei obwohl die Kletterei den beiden höchste Konzentration abverlangt da der Fels zum Teil brüchig ist. An der Dülferkanzel wird dann angeseilt und nun heisst es die berüchtigten und brüchigen Risse zu durchklettern. Diese Route hatte Vinatzer bereits 1932 eröffnet und galt lange als die schwierigste Dolomiteskletterei. Bist heute zählt die Route nicht mehr als 10 Begehungen.
Um 14.15 erreichen Adam und Diego den Gipfel und flugs wird über leichte Kletterei und schrofiges Gelände der Abstieg in Anspruch genommen.
An der Regensburgerhütte angelangt wird endlich halt gemacht. Es reicht eine Pasta zu verschlingen, etwas zu trinken und schon geht es weiter. Den langen Aufstieg zum Fusse der Stevia Nordwand haben beide in kürzester Zeit hinter sich. Nun gilt es in extrem schwieriger Kletterei die überhängenden Risse der Vinatzer Route zu meistern. Hervorragendes Kletterkönnen sowie das gute Zusammenspiel einer perfekt eingespielten Seilschaft ermöglicht auch hier eine Durchsteigung in Rekordzeit und nach nur 1. Stunde und 15 Minten stehen beide am Gipfel. Im Eiltempo geht es hinab zur Juac Hütte und dann weiter nach Daunei über Wolkenstein wo Priska, die Frau Adams einen Wagen abgestellt hat. Jetzt fahren Adam und Diego in Richtung Sellajoch und um 18.40 Uhr stehen sie am Fusse der Vinatzerroute am 3.Sellaturm. Diese sicherlich am wenigsten anspruchsvolle Kletterführe des Tages wird in kürzester Zeit bewältigt. Gipfel um 19.30 Uhr dann rascher Abstieg: die schwierige Vinatzerroute am Piz Ciavazes soll ja auch noch zum Zuge kommen. Hier steigen sie um 20.10 Uhr ein und bereits um 20.55 Uhr sind sie am Gipfel des Piz Ciavazes. Jetzt heisst es sofort abseilen denn es dämmert bereits. Um 21.30 beenden die beiden glücklich am Parkplatz am Sellajoch ihr alpinistisches Abenteuer.
Eine unglaubliche Leistung, man bedenke dass jede einzelne dieser Klettertouren für sich allein schon eine Herausforderung  für gut trainierte Kletterer darstellt.
In voller Stille haben Adam und Diego ihr Vorhaben geplant und auch nach getaner Leistung wurde nicht viel herumgeprahlt, das zeugt für Qualität und Persönlichkeit und ist Eigenschaft der ganz Grossen.
Gefeiert wurde auch nur wenig denn am nächsten Morgen galt es für beide wieder dem Wunsch anderer Bergsteiger nachzukommen, sich auf die wunderschönen Berge der  Dolomites von einem Mountain Guides begleiten zu lassen.